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Attila Nagy – Musik ist sein Leben

Sie kennen es bestimmt: Man sollte das Instrument dringend zum Reparieren bringen, Attila Nagy aber man kommt nicht dazu und schiebt es immer vor sich hin. Schließlich hat man jede Woche ein- bis zweimal Vollprobe, zu Hause möchte man auch spielen können, und dann ist da wieder eine Ausrückung mit dem Verein, bei der man einfach nicht fehlen möchte. Mir ging es auf alle Fälle so. Doch das Klappergeräusch meiner Klarinette, das mir lautstark klar machte, dass einige Polster dringend ersetzt gehören, konnte ich nicht länger ignorieren. Vielleicht auch darum, weil man mir schon den Vorschlag machte, es doch mit ihr mal beim Schlagzeug zu probieren.

Darum machte ich mich auf den Weg nach Rankweil, Attila Nagy wo seit ungefähr einem Jahr der ungarische Instrumentenbaumeister Attila Nagy sein Geschäft für Instrumentenreparaturen im Gewerbepark eröffnet hat. Warum ich gerade zu Attila ging, hatte aber auch einen zweiten Grund – so erhoffte ich mir nicht nur eine „Rundumpflege“ für mein Instrument, sondern auch Antworten auf meine Fragen. Wie es denn zum Beispiel einen ungarischen Instrumentenbauer gerade nach Vorarlberg verschlagen hat, oder was es denn mit dem Tàrogatò auf sich hat.

Nachdem ich den ersten Teil meiner „Mission“ mit der Abgabe meiner Klarinette zur Reparatur erfüllt hatte und auch gleich ein Leihinstrument für die Zeit während der „Klarinettenrenovierung“ ausfassen durfte, begann mir Attila Nagy seine Geschichte zu erzählen.

Für Attila Nagy ist dieses Jahr ein Jubiläumsjahr. Denn genau vor fünfzehn Jahren kam er zum ersten Mal nach Vorarlberg. Damals kam er im Zuge eines Künstleraustausches mit seiner ungarischen Folkloregruppe nach Österreich. Der Künstleraustausch wurde von der Gemeinde Rankweil und deren ungarischen Partnerstadt Debrecen organisiert und ermöglichte ungarischen Künstlern, sich in Vorarlberg bei Empfängen und Konzerten zu präsentieren. Das war 1992.

Attila Nagy, der das bei uns kaum bekannte ungarische Holzblasinstrument, Attila Nagy das Tàrogatò, spielt, erhält während seines Aufenthalts neben den Solokonzerten auf dem Tàrogatò und den Konzerten mit der Folkloregruppe auch die Einladung des Musikhauses Zehenter, einen Workshop für Instrumentenreparatur und -bau abzuhalten. Attila Nagy nimmt die Einladung des Rankweilers an und hält das Seminar in dessen Werkstatt vor vielen begeisterten Teilnehmern ab. Kurze Zeit nach der Rückkehr nach Ungarn erhält er einen Anruf vom Musikhaus Zehenter mit der Anfrage, ob er denn nicht während des Sommers einige Wochen bei ihnen arbeiten möchte. Nach kurzem Überlegen nimmt er das Angebot an und kehrt für ca. drei Wochen nach Vorarlberg zurück. Das Musikhaus Zehenter überrascht ihn später ein zweites Mal, diesmal mit dem Angebot für eine fixe Anstellung in seiner Instrumentenreparaturwerkstatt.

Attila Nagy, Attila Nagy welcher zu dieser Zeit an der Franz-Liszt Hochschule für Musik in Debrecen unterrichtet, macht sich die Entscheidung nicht leicht, hat er ja in Ungarn nicht nur seine ganze Familie, sondern auch eine sichere Anstellung. Schließlich müsste er alles aufgeben, was er in Ungarn aufgebaut hat. Doch mit der Rückversicherung der Hochschule, dass für ihn seine Stelle freigehalten wird, nimmt Attila Nagy vorerst unbezahlten Urlaub und kommt mit seiner Familie nach Rankweil, um die Einladung des Musikhauses Zehenter anzunehmen. Vorerst mit den Hintergedanken: „Man probiert es ein paar Jahre.“ Bald bekommt er seine Arbeitsbewilligung, später folgt der österreichische Pass – Vorarlberg wird nun zur neuen Heimat von Attila Nagy und seiner Familie.

Als das Musikhaus Zehenter nach einiger Zeit schließt, arbeitet er als Instrumentenbauer in anderen Musikhäusern in Vorarlberg, der Schweiz, Deutschland und Liechtenstein. Auch unterrichtet er in diesen Ländern Klarinette, Tàrogatò und Saxophon. Neben seinen Tätigkeiten als Instrumentenbaumeister und Lehrer gibt Attila Nagy weiterhin viele Konzerte auf dem Tàrogatò, unter anderem in Liechtenstein, der Schweiz, Deutschland, Italien, Holland und Finnland. Er wird Mitglied der Bürgermusik Rankweil, bei der er sechs Jahre lang die erste Klarinette spielt. Seine Kinder Gregor und Greta (Schlagzeuger und Klarinettistin) treten dem Verein ebenfalls bei. Leider muss Attila nach vielen Jahren bei der Bürgermusik Rankweil aus dem Verein austreten – sein Beruf als Instrumentenbauer, das Unterrichten und die Konzerte lassen es zeitlich nicht mehr zu. Der Kontakt zu der Bürgermusik bleibt trotzdem noch erhalten, auch wenn es ihm nicht mehr möglich ist, als aktives Mitglied dabei zu sein.

Attila Nagy ist bereits 13 Jahre in Österreich, Attila Nagy als er 2005 beschließt, sich selbständig zu machen. Obwohl es für ihn wie für jeden anderen, der ein Geschäft aufmacht, ein Risiko ist, eröffnet er kurz darauf seine Werkstatt im Gewerbepark in Rankweil. Er ist zuversichtlich, was die Zukunft seiner Werkstatt betrifft, da er zum einen, seit er in Vorarlberg ist, immer engen Kontakt zu den Musikvereinen im Land gepflegt hat. Zum anderen hat er sein Handwerk nicht nur von Grund auf gelernt, sondern er konnte sich auch während vieler Auslandsaufenthalte bei den unterschiedlichsten Musikhäusern und Instrumentenherstellern wie Yamaha oder Hammerschmidt ständig weiter- und fortbilden. Attila Nagy Ein weiterer Vorteil für ihn ist, dass er selbst professioneller Musiker ist. Er sieht also nicht nur mit den Augen eines Instrumentenbauers, sondern auch mit denen eines Musikers, eines Lehrers und eines Mitglieds eines Musikvereines.

Attila Nagy, der auf Holz- und Blechblasinstrumente spezialisiert ist, hat alle Hände voll zu tun. Doch ist er ein Mensch voller Energie, die er mit Begeisterung in sein Geschäft, das Unterrichten, seine Musik und die Familie steckt. Das merkt man, wenn man in der vollen Werkstatt steht oder mit ihm spricht. Die Plakate an den Wänden seines Arbeitsplatzes zeigen berühmte ungarische Klarinettisten, wie zum Beispiel Belà Kovàcs, seinen ehemaligen Lehrer, welcher in Budapest und Graz Professor für Klarinette ist. Ihnen allen hat er schon die Instrumente wieder auf Vordermann gebracht und repariert, bevor er selbst sein Tàrogatò, die Klarinette oder das Saxophon gepackt hat und zu seinen Konzerten und Auftritten gefahren ist. Es ist bestimmt nicht die größte Werkstatt. Aber sie hat viel Charme, und wenn man Attila Nagy und sein Reich, die Instrumentenreparaturwerkstatt in Rankweil, wieder verlässt, dann tut man das mit dem guten Gefühl, sein Instrument in den besten Händen zu wissen.

Ich werde meine Klarinette bald wieder erhalten. Mit neuen Polstern und im frischen Glanz. Kein Klappern mehr, keine lästernden Zungen aus meinem Register, die mich zum Schlagzeug verfrachten wollen. Ich habe am Anfang gesagt, dass ich Attila Nagy noch fragen wollte, was es denn mit dem Tàrogatò auf sich hat, dem Rebelleninstrument aus Ungarn. Doch ich glaube, diese Geschichte spare ich mir für nächstes Mal auf. Er hat sie mir erzählt, und darum bin ich jetzt der Meinung, dass ein Instrument, das den Aufständischen vorbehalten war, eine eigene Seite verdient hat. Und sie wissen ja, was man sagt: Vorfreude ist die schönste Freude. Bis im Juni, der Tàrogatò-Artikel wartet so lange noch auf Sie!

Katharina Mathis  [Vorarlberger Blasmusik Zeitung]

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